Ich glaube, euch geht es ähnlich, wie mir:
Die letzten Wochen waren eine politisch emotionale Achterbahnfahrt.
Ereignisse und Debatten haben sich überschlagen.
Ich hab Nachrichten und Politsendungen aufgesaugt.
Hunderte Gespräche geführt, diskutiert, gestritten, mir Meinungen angehört,
alles noch mal in unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
Und was soll ich sagen?
Ich bin kein Stück schlauer.
Die gute Nachricht:
Ich bin auch nicht weniger schlau als vorher.
Was will ich damit sagen?
- An der Wahrheit hat sich NICHTS verändert.
Ich habe vor einem Jahr hier gestanden und gesagt:
Die Wahrheit ist,
dass wir in einer Gesellschaft leben
in der alle Menschen unterschiedlich sein dürfen und sollen
und mit gleichen Respekt zu behandeln sind.
Dass Vielfalt,
Respekt
und Freiheit
unsere Identität sind und es genau das ist, was uns ausmacht
und unter dessen Wert wir uns nicht verkaufen wollen.
Ich bin sehr dankbar für jeden und jede von euch.
Dass ihr heute hier seid ist ein Zeichen von Mut, Unbeugsamkeit, Hoffnung und Glaube.
Der Glaube an Menschlichkeit und an Vernunft.
Und ja,
ihr seid heute und hier, genau richtig!
Ich habe gestern mit meinere Tochter Mikado gespielt.
Vor uns lag, wie das beim Mikado so ist, ein wirres undurchschaubares Chaos,
das uns in Geduld und Behutsamkeit fordern sollte.
Die ersten Stäbchen am Rande hatte meine Tochter sich direkt geschnappt.
Das war einfach.
Und gerade als sie das nächste Stäbchen hervorziehen wollte,
das auf dem ersten Blick sehr offensichtlich vor ihr lag und wie leichte Beute aussah,
verwarf sie ihre Entscheidung sagte:
„Ne, ne Mama, ich bin doch nicht dumm, wenn ich den jetzt wegziehe,
fällt alles obendrüber zusammen.“
Mit ihren 8 Jahren konnte sie sehr genau erkennen,
wie verworren und herausfordernd das Spiel war
und dass es keinen einfachen und keinen schnellen Weg gab.
Sie ließ das Stäbchen liegen, weil sie wusste, es muss da liegen,
sonst bricht alles auseinander und sie hätte verloren.
Genauso ist es mit unseren Grundrechten und Werten.
Wenn wir uns hier und heute für
Vielfalt, Toleranz und Demokartie nicht nur aussprechen, sondern dafür kämpfen,
dann weil wir wollen,
dass nicht alles über uns zusammenbricht.
Unsere Grundwerte, die uns als Menschen aussmachen.
Unsere Werte, die uns als Gemeinschaft stark machen.
Die dürfen wir nicht,
egal wie sehr Ergeignisse nach Vergeltung schreien,
Die dürfen wir nicht über Board werfen.
Unrecht kann niemals mit Unrecht vergolten werden
Ich verstehe, die Sorgen der Menschen über unsere Zukunkt.
Ich fühle die Betroffenheit über die schrecklichen Ereignisse der letzten Wochen.
Ich bin traurig über jedes Leben, was nicht geführt werden durfte,
weil jemand anderes darüber entschieden hat.
Und ich bin wütend darüber, dass es Menschen gibt,
die damit Rassenhass rechtfertigen und sich in ihrem völkischen Gedankengut bestätigt sehen.
All diese Gefühle sind richtig und dürfen gleichzeitig sein.
Und ich möchte an dieser Stelle noch eines gerne ergänzen:
Ja, auch wir hier, haben das Bedürfnis nach Sicherheit.
Nach Sicherheit für unsere Kinder, unsere Enkelkinder, unsere Freunde, Nachbarn und für uns selbst.
Aber zu Glauben, dass Hass und Hetze, Fremdenfeindlichkeit, Stigmatiserungen
zu mehr Sicherheit in unserer Gesellschaft führen,
ist nicht nur menschenverachtend und dumm,
sondern auch verdammt gefährlich.
Menschen mit Behinderung an den Rand unserer Gesellschafft zu setzen
anstatt sie zu inkludieren, ist Diskrminierung.
Queeren Menschen ihre Existenz abzuerkennen, ist Diskrminierung.
Jeden Flüchtling einen Schmarotzer zu nennen, ist Rassismus.
Aus jeden arabisch aussehenden Mann einem potentiellen Messerstecher zu machen
und das zu propagieren, ist Rassismus.
Menschen mit Migrationshintergrund allgemein als Problem unserers Landes zu bezeichnen,
ist Rassismus.
Den Wert des Lebens daran zu messen, welchen kulturellen Hintergrund es enstprungen ist oder welcher Religion es sich widmet, ist Rassimsus.
Und wir fordern jeden auf, der sich in dieser Weise öffentlich äußert,
das zu unterlassen.
Denn derartige Narrative vergiften die Köpfe und die Herzen der Menschen
und rütteln an unsere Grundrechten.
Diskrminierung und Rassismus führen zur Ausgrenzung von Menschen
und spalten unsere Gesellschaft
Diskrminierung und Rassismus fördern unsere Sicherheit nicht, sie gefährden sie.
Und ehrlich, es ist auch einfach nicht fair.
Allein in Kamen kennen wir hunderte von Menschen mit Migrationshintergrund und mit einer Fluchtgeschichte, die sich
und ich sag das genau in der Sprache
„den Arsch aufgrissen haben“,
ihren Beitrag in unserer Gesellschaft zu leisten und ihre Chance auf ein Leben wahrzunehmen.
Diese Menschen haben es nicht verdient mit Gewalttätern und Mördern und auch nicht mit Schmarotzern gleichgesetzt zu werden.
Ich habe gestern Abend während ich an meinem Schreibtisch saß noch eine Nachricht von dem Kamener Unternehmer Ralf Öschläger-Specht bekommen,
der es sehr bedauert, heute nicht hier sein zu können,
um sich selbst dazu zu äußern:
Einen Auszug aus dieser Nachricht möchte ich an dieser Stelle gerne zitieren.
Er schrieb:
„Was ich sagen wollte ist dass wir als mittelständisches Unternehmen Toleranz und Integration benötigen und leben.
30% unser 35 Mitarbeiter haben Migrationshintergrund und sind finanziell normal gestellt.
Bei uns gibt es 5 unterschiedliche religiöse Ansichten,
bei uns sitzt ein an den Koran glaubender am Mittagstisch neben einem russischen jüdisch glaubenden.
Homosexuelle Mitarbeiter/innen sind seit Jahren dabei
und da gab es nie eine Frage ob,
wieso oder warum.
Diese Themen standen bei uns auch nie zur Diskussion innerhalb des Betriebsklimas, weil jeder die Menschlichkeit und die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund gestellt hat.
Aber einige Mitarbeiter haben nun Fragen/Ängste, gerade um ihren Kinder, dass sie unser Land, Sprich Deutschland, ihre Heimat eventuell verlassen müssen…“
Diese Worte sind stellvetretend für die meisten Unternehme*Innen in Deutschland.
Und auch wie den Mitarbeitenden von diesem Unternehmen, geht es vielen Menschen, die in Deutschland ihre neue Heimat gefunden haben.
Sie haben Angst, sie wieder verlassen zu müssen.
Parallel dazu wurde ich in vielen Gesprächen mit einer weiteren Angst konfrontiert
Die Angst, dass wir uns nicht mehr öffentlich zu Vielfalt bekennen sollten.
Unzählige Anfeindungen, Hass und Hetze führten dazu, dass es Menschen gibt, die sich heute nicht hierher getraut haben.
Auch für diese Menschen stehen wir heute.
Um zu Zeigen,
dass die Wahrheit sich nicht verändert hat.
Dass Vielfalt,
Respekt
und Freiheit
unsere Identität sind und es genau das ist, was uns ausmacht.
Was wir erhalten müssen und was wir erhalten können.
Ich glaube fest daran, dass heute NICHT 1933 ist.
Dass wir eine andere Geschichte schreiben werden.
Ich glaube daran,
weil wir uns weiterentwickelt haben und schon so weit gekommen sind,
eine friedliche und aufgeschlossene Gesellschaft zu sein,
in der jeder Mensch seinen Platz hat.
Ich glaube daran, weil tragische Ereignisse uns zusammengeführt
und unsere helfende Hand haben ausstrecken lassen.
Ich glaube daran, weil ich in den letzten Jahren erleben durfte,
dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft so groß ist,
dass wir uns den schwierigsten Herausforderungen stellen konnten.
Und wir stärker wurden.
Ich glaube daran, weil ich sehe, dass Millionen von Menschen aufstehen und um ihre Demokratie kämpfen.
Ich glaube daran, weil wir heute hier sind,
Und wir gemeinsam gemeinsam dafür einstehen,
dass unsere Zukunkt bunt und friedlich sein wird!
Beatrix von Storch hat in irgendeiner der vielen Politsendungen,
die ich den letzten Wochen geguckt habe, freudig verkündet:
Die AFD bestimme die Debatte.
Mag sein, dass sie das Thema vorgegeben hat.
Aber WIR werden ihr nicht das letzte Wort überlassen.
Denn wir kämpfen weiter für unserer Grundrechte und für unsere Werte.
Damit über uns nicht alles zusammenbricht.
Danke!!!